"Ausgabe 12.01.2016"

„Kuschel/Kuschel – eine Aufforderung?“

Sport-Plauderei: Thorsten Kuschel motiviert junge Leute, Handball-Schiedsrichter zu werden

HASSLOCH. Für unsere Kolumne Sport-Plauderei, in der wir Menschen vorstellen, die sich hinter den Kulissen des Sports engagieren, waren wir gestern Abend beim Neujahrsempfang des Pfälzer Handball-Verbandes in Haßloch. Dort trafen wir Thorsten Kuschel, Pädagoge am Europa-Gymnasium in Wörth, der im PfHV mit neuen Ideen junge Leute zum Pfeifen motiviert, diese ausbildet und begleitet. Er selbst leitet seit elf Jahren Zweitligaspiele.

Herr Kuschel, machen Sie sich nicht ein wenig Sorgen um die Zukunft bei den Schiedsrichtern im Handball?
Betrachtet man die Entwicklung der Schiedsrichterzahlen, auch deutschlandweit, erkennt man leider einen stetigen Rückgang. Dies trifft jedoch nicht in gleichem Maß auf die Mannschaftszahlen zu, was zur Folge hat, dass in der Zukunft immer mehr Spiele nicht besetzt werden können.
Mit dem Projekt „Young Referee Projekt“ haben Sie bundesweit Aufmerksamkeit erreicht.Das Projekt soll den ganz jungen Handballern zwischen 12 und 16 Jahren die Möglichkeit geben, mit einer nur dreistündigen Ausbildung unverbindlich in die Pfeiferei zu schnuppern. Verbunden mit einer angeleiteten Betreuung im Verein können die Jugendlichen erste Erfahrungen als Schiedsrichter sammeln.

Wie viele Jungschiedsrichter bildete der PfHV 2014 und 2015 aus, und sind diese Jugendlichen noch heute aktiv?
In beiden Jahren haben jeweils 25 Anwärter die Ausbildung gemacht. Die durchschnittliche Verweildauer eines Schiedsrichterneulings ist weit unter zwei Jahren. Von den insgesamt 50 Anfängern der letzten beiden Jahre pfeifen derzeit noch 30.


Welche Voraussetzungen sollte man denn für diese Aufgabe mitbringen?
Schiedsrichter zu sein ist eine komplexe Aufgabe, in die man vor allem hineinwachsen muss. Für den Anfang sollte man Interesse und Spaß am Handball haben, sowie eine gesunde Portion Mut, sich der Aufgabe zu stellen. Kritikfähigkeit, die nötige Athletik – auswechseln lassen kann man sich als Schiedsrichter nämlich nicht – und auch Freude am Umgang mit anderen Menschen sind wichtig. Zudem hilft dem Schiedsrichter ein gutes Spielverständnis.

Gibt es auch eine kleine finanzielle Entschädigung?Natürlich! Für jedes Spiel erhält man mindestens 17 Euro plus Fahrtkosten. Je höher die Spielklasse, desto höher die Entschädigungen. Man ist Teil seines Lieblingssports und bekommt dafür ein gutes Taschengeld.

Es gibt dennoch einige Jugendliche, die trotz Ausbildung dann nach einigen Wochen und Monaten nicht mehr zur Verfügung stehen. Warum?
Hauptproblem ist aus meiner Sicht der Druck von außen und der zum Teil katastrophale Umgang mit den jungen Schiedsrichtern. Hier verlieren viele den Spaß an der Sache, was sehr schade, aber durchaus verständlich ist. Zudem entsteht Konkurrenz durch ein großes Freizeitangebot. Viele entscheiden sich dann lieber für andere Hobbys.


Haben Sie auf diesem Weg auch ihre Ehefrau auf den Weg zur Schiedsrichterin gebracht?
Tatsächlich haben wir uns vor sieben Jahren bei der Schiedsrichterausbildung kennengelernt. Daniela saß damals unter den Teilnehmern, ich habe die Ausbildung geleitet.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, mit ihrer Ehefrau ein Gespann zu bilden?Wir haben zur Hochzeit ein Trikot mit dem Aufdruck „Kuschel/Kuschel“ von meinem Ansetzer geschenkt bekommen – eine Aufforderung? Nein, Spaß beiseite: Das wird nicht passieren. Daniela pfeift mit Sandra Senk, ich seit mittlerweile 14 Jahren mit Thomas Kern – und das wird auch so bleiben. Zumindest in diesem Bereich sind wir gern mal kein Gespann.

Interview: Jochen Willner

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