Die Rheinpfalz "Ausgabe 18.04.2017"

Eckbachtals Pokal-Coup

HANDBALL: 32:31-Finalerfolg gegen KL-Dansenberg

VON THOMAS CATTARIUS

HASSLOCH. Die Handballer der HSG Eckbachtal haben den Erdinger-Pfalzpokal gewonnen. 32:31 (14:15) schlug der Pfalzligist gestern in Haßloch den Oberliga-Spitzenreiter TuS KL-Dansenberg.

Rouven Hahn grinst wie ein Lausbub. Er hat den Jubel genossen nach seinem letzten gehaltenen Ball gegen Christopher Seitz und die Ehrungszeremonie hinter sich. „Es war mein Traum, den Pokal zu holen“, sagt der Torhüter der HSG Eckbachtal, der nach der Runde zu den VTV Mundenheim wechselt. Der Traum nahm bereits Konturen an mit dem 32:29 von Sven Dopp 90 Sekunden vor Schluss.Da war Dansenbergs Trainer Marco Sliwa schon auf 180 und nicht einverstanden mit manch Schiedsrichterentscheidung. Direkt nach dem Spiel-ende gratulierte er HSG-Trainer Thorsten Koch und wahrte dann auch die Contenance: „Wir waren nicht bereit, den Schritt mehr zu machen, Eckbachtal wollte unbedingt. Da muss sich jeder fragen, ob das die Topleistung war, die für die letzten fünf Spiele in der Oberliga reicht.“

Dansenberg begann das Finale gut. Die 6-0-Abwehr hatte zuerst alles im Griff, nach vorne ging die Post ab. Charalampos Mallios erzielte sein drittes Tor zur 5:3-Führung, Tim Beutler, der nur in der Abwehr begonnen hatte (Alexander Schulze kam für den Angriff), erzielte nach dem Wechsel in den Angriff das 11:7 (19.). Aber so langsam schien Eckbachtal das gegnerische Spiel zu lesen. Die HSG verteidigte offensiver mit 3-2-1, zwang Dansenberg häufiger ins Positionsspiel, bekam richtig Lust auf den Pokal-Coup und verkürzte.

Das 13:13 war der erste Ausgleich. Für Thomas Betz von der HSG war das Spiel da schon zu Ende. Er verletzte sich in der 12. Minute am Knie, Verdacht auf Kreuzbandriss.

Nach dem 20:20 wurde es für Dansenberg kritisch. In doppelter Unterzahl kassierte der TuS das 21:23, Tobias Lerzer traf ins verwaiste TuS-Tor. Luca Munzinger (27:26) warf den TuS noch einmal in Führung, aber Eckbachtal glaubte an sich und die Überraschung.

„Wie das so ist für den Underdog: mehr gekämpft als gespielt. Wir haben ein rassiges Spiel gesehen, es über das Kämpferische gelöst, und wir hatten eine gute Torquote“, sagte HSG-Trainer Koch. „Nach der Niederlage in der Meisterschaft in Offenbach haben wir geweint, jetzt haben wir es verdient, lachend aus der Halle zu gehen.“

So spielten sie

HSG Eckbachtal: Hahn (Häuselmann) - Thomas Betz (1), Michael Betz (10/5), Baumann (3) - Tobias Lerzer (2), Bußer (2) - Subab (5); Suchomelli (2), Sven Lerzer (4), Dopp (1), Pozywio, Wenzel (2), Reibold

TuS KL-Dansenberg: Markus Seitz (Rincon) - Kiefer (8/3), Mallios (6/1), Christopher Seitz (6) - Labroue (2), Schulze (2) - Megaloikonomou (3); Tim Beutler (1), Jung (1), Munzinger (2), Nick Beutler, Lammering

Spielfilm: 1:3 (4.), 5:7 (11.), 7:11 (19.), 9:13 (25.), 13:13 (28.), 14:15 (Halbzeit), 16:18 (34.), 19:19 (38.), 24:21 (43.), 28:28 (51.), 32:29 (59.), 32:21 (Ende) - Zeitstrafen: 2/3 - Siebenmeter: 5/5 - 5/4 - Beste Spieler: Michael Betz, Baumann - Kiefer, Christopher Seitz - Zuschauer: 250 - Schiedsrichter: Bernhardt/Zick (Ludwigshafen).


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 25.02.2017"

Kampf der Verbände um Systeme

HINTERGRUND: Weshalb die Handball-Oberliga im Datennetz noch eine Wüste ist

HASSLOCH. „Upcoming“: die nächsten Spiele der Handball-Pfalzliga. Jedermann kann im Netz einsehen, wie seine Mannschaft gespielt, wer die Tore geworfen hat, wann die Tore fielen. Mancher Verein schaltet gar den „Liveticker“. Eine Wüste sind in dieser Saison jedoch die Oberligaspiele. Infos darüber? Keine. 2017/18 soll sich das ändern im intergalaktischen Kampf der Verbände und Systeme.

Es geht um „sis“, das Gatecom-System, das die Pfälzer, das der DHB verwenden. Um „Siebenmeter“, das Programm der Handball4all-AG, die sieben Handballverbände, überwiegend baden-württembergische, 2012 gründeten. Und um „NuLiga“, das es seit Kurzem auch für den Handball gibt. Ein anderer „Player“ ist „Sportradar“, mit ihm wird die Handball-Bundesliga (HBL) zusammenarbeiten. Zwei heben die Hand für „Siebenmeter“, der Pfälzer Handball-Verband (PfHV) steht auf „sis“, Rheinland ist für „NuLiga“. So ging die Abstimmung im Präsidium der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aus. Immerhin hat man sich vor Kurzem demokratisch geeinigt. „Siebenmeter“ wird den elektronischen Spielberichtsbogen für die Oberligaspiele ins Netz bringen. Die Vereine in den pfälzischen Ligen haben parallel „sis“ zu installieren. „Meine Hoffnung ist, der DHB wird für alle ein System finden, das scheint aber unmöglich zu sein“, meint Josef Lerch, der Spieltechnik-Chef im PfHV.

Die digitalisierte Welt wird alles überholen. Streaming-Dienste für Live-Bilder im Netz sind der nächste Renner. Zuschaltbar alle erdenklichen Statistiken. Wie gemütlich doch alles angefangen hatte in den 1980-Jahren.

Da saß Ewald Brenner in Heuchelheim vor seinem Commodore 64, dem Acht-Bit-Heimcomputer mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Zuerst ging es um Dateien für Schiedsrichter. 1983 wurden die ersten Spielpläne am Rechner erstellt und an die Vereine verschickt.

Zum Millennium löste der Niedersachse Jochen Engelmann ein Problem: Viele Programme verwendeten einen zweistelligen Jahrescode und waren nicht fit für das Jahr 2000. Er entwickelte ein neues Programm, „sis“ lief erstmals im Bezirk Weser-Ems. 2002 erwarb der PfHV eine Lizenz. Es wurde offizielles Programm des Verbandes mit Spielplanerstellung, Schiedsrichterwesen und bald auch Passwesen.

Ständig kamen Brenner und seinem Funktionärskollegen Norbert Diemer aus dem benachbarten Lambsheim Ideen, wie „sis“ noch besser werden könnte. Die Kontakte mit Engelmann begründen, weshalb sie dieses System bevorzugen.

In der Mache: eine einheitliche Passdatenbank. Daten mit Unterschrift und Passbild eingeben, und das System druckt einen vorläufigen Spielerpass für das in zwei Stunden beginnende Spiel aus.

Die „sis“-Konkurrenz hat einen Preiskampf entfacht. Brenner hält „sis“ für das beste Spielplanprogramm. „Siebenmeter“ kommt mit einem Verwaltungssystem daher, mit „Phönix“. Sein Verband wird es verwenden. Es wird daran gedacht, dieses System mit „sis“ zu verbinden. „Das ideale System werde ich nicht mehr erleben“, meint Brenner. thc


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 18.02.2017"

„Akzeptanz auf dem Feld ist da“

Handball: Junges Schiedsrichtergespann Frank Hund/Pascal Schnurr hat Pfalzliga-Debüt hinter sich – Lust auf mehr

Von Daniel Meyer

LANDAU. Beim Überraschungserfolg des TV Wörth zu Hause gegen Tabellenführer HSG Eckbachtal (21:21) kassierten zwei Protagonisten Lob von beiden Trainern. Und das, obwohl sie beim Spiel der Handball-Pfalzliga weder ein Tor erzielten, noch eines verhinderten: Frank Hund (18) aus Kirrweiler und Pascal Schnurr (19) aus Offenbach sind Schiedsrichter.

Mit dem Ergebnis in Wörth haben wohl die wenigsten gerechnet. Und auch die beiden Schiedsrichter dürften für verwunderte Blicke gesorgt haben. Das Debüt in der Pfalzliga kam „relativ unerwartet“, wie Hund sagt. In ihrer ersten Saison bei den Aktiven hatten sie sich darauf eingestellt, das Verbandsligaspiel TuS Neuhofen gegen TV Edigheim zu leiten. Die Referees wurden unter der Woche jedoch neu eingeteilt, nun ging es also nach Wörth. Kein Problem für die beiden.„Wir pfeifen ja wie jedes andere Spiel auch und sind froh, dass es geklappt hat“, sagt Hund. „Es ist ein komplett anderes Niveau, aber extra nervös waren wir nicht. Man ist vor jedem Spiel angespannt, aber wir behandeln auch jede Partie gleich.“ „Es war komplett anders, auch von den Zuschauern her“, zeigt sich auch Schnurr beeindruckt von der Pfalzliga-Kulisse. Rund 200 Zuschauer waren in der Wörther Bienwaldhalle.

Nach überstandener erster Hälfte waren die beiden im zweiten Durchgang gleich gefordert: Nur 16 Sekunden nach Wiederanpfiff packt Eckbachtals Maximilian Schreiber überhart gegen Wörths Johannes Neumann zu, für die Jungs mit der Pfeife eine klare Sache: Rote Karte. „Er trifft ihn im Gesicht“, analysiert Schnurr. „Schon in der ersten Hälfte hatte der Spieler eine ähnliche Aktion, da gab es eine Zeitstrafe“, erklärt Hund. Im Gespann habe man beim zweiten Mal auf Disqualifikation entschieden.

Die beiden sind im B-Kader der Schiedsrichtergespanne des Pfälzer Handball-Verbandes (PfHV) gesetzt und wollen so weit kommen, wie es geht. „Ich hoffe, dass wir bald hochrutschen“, sagt Hund. Schnurr hält weitere Einsätze in der Pfalzliga nicht für unmöglich. „Das ist eben ein allgemeines Problem, dass es wenige Schiris gibt.“ Ambitionen, später einmal auch in der Oberliga pfeifen zu dürfen, haben die Abiturienten. Hund geht aufs Gymnasium Edenkoben, hat Mathe, Physik und Sozialkunde in den Leistungsfächern. Schnurr besucht das Otto-Hahn-Gymnasium in Landau und hat ebenfalls Mathe, Chemie und Erdkunde in den Hauptfächern.

Für Hund, der in der Sommerpause beim Segelflugverein Haßloch seine Runden über der Südpfalz dreht, ist es die vierte Saison mit Schnurr an der Seite. Die Spielerkarriere war nach einer Verletzung gefährdet. „Man muss sich dann entscheiden, und für mich war klar, dass ich lieber Schiedsrichter bin“, sagt Hund.

Schiedsrichter wurde er aus einem einfachen Grund: Er wollte es besser machen als die, die seine Spiele pfiffen – oder verpfiffen. Schnell habe er aber gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist.

Schnurr begann 2011 und absolvierte kurz darauf die Schiedsrichterausbildung beim Verband. Auch er schnürte zuvor viele Jahre in der Jugend die Handballschuhe, spielte für den TVO. Nachdem er erst alleine Spiele leitete, fand er eher zufällig seinen Gespannpartner. „Mein Vater hatte Frank als Prüfling“, erzählt er. Schnurrs Vater Martin ist in verschiedenen Funktionen im Verband tätig, ist Staffelleiter der Verbandsliga und A-Klasse, Öffentlichkeitsbeauftragter der Homepage und gibt Lehrgänge für Zeitnehmer und Sekretäre.

„In der Halle hat mich Pascal dann mal darauf angesprochen“, erinnert sich Hund, dessen damaliger Schiri-Partner aus Friesenheim war. Allein vom logistischen Aufwand bot sich ein Gespann Hund/Schnurr also an.

Dass es für junge Schiedsrichter gerade im Aktivenbereich nicht einfach ist, wissen sie. Die meisten Zuschauer seien eher verwundert, wenn so junge Schiedsrichter auf dem Feld stehen, sagt Hund. „Vor allem ich sehe ja noch relativ jung aus, aber die Akzeptanz auf dem Feld ist immer da, die verschaffen wir uns auch.“ Was von außen kommt, lassen die beiden nicht an sich heran. „Man hofft, dass man akzeptiert wird“, sagt Schnurr. „Am Anfang war das noch ein großes Fragezeichen, aber mit Zuschauern, Spielern und Trainern hatten wir nie Probleme.“

Auch ohne Pfeife engagieren sich die beiden für den Handball. Schnurr auch aufgrund seines Hobbys Informatik als Webmaster, Hund als Jugendschiedsrichtersprecher. Gemeinsam sind sie im Jugendsprecherteam und wollen sich als „Stimme der Jugend“ aktiver für den Nachwuchs einsetzen. Sie wollen dem rückläufigen Trend entgegenwirken. meyd

 


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 11.01.2017"

Der Traum lebt

Pfalz-sportler der Woche: Am Mittwoch leiteten die Südpfälzer Thorsten Kuschel und Thomas Kern ihr 300. Spiel auf der Ebene des Deutschen Handball-Bundes.

Von Jochen Willner
 

BELLHEIM. Seit über elf Jahren sind sie bundesweit als Schiedsrichter des Deutschen Handball-Bundes (DHB) unterwegs. Thorsten Kuschel (Hagenbach) und Thomas Kern (Bellheim) standen am Mittwoch bei der Frauen-Bundesliga-Partie TuS Metzingen gegen die Neckarsulmer SU zum 300. Mal auf DHB-Ebene auf dem Parkett. Am Ende erhoben sich die Fans der Pinkladies von ihren Plätzen: TuS Metzingen sicherte sich mit einem 37:30 gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm zwei wichtige Zähler und bleibt im Meisterschaftsrennen der SG BBM Bietigheim auf den Fersen. Im Jubel ging im voll besetzten Sportzentrum Öscht das kleine Jubiläum der beiden Schiris unter. „Die Vereine wussten das nicht, das ist eine Sache, die intern bei den Schiedsrichtern gefeiert wird“, erklärt Kuschel.

Dennoch hatten sie an diesem Abend wieder einmal viel Spaß an der Pfeife. „Es war echt toller Handball mit einer tollen Atmosphäre“, berichtet Kuschel. „Dazu noch ein äußerst faire Partie mit nur zwei Zeitstrafen“, ergänzt Kern. „So hatten wir bei unserem 300. Spiel einen äußerst angenehmen Abend“, meint Kuschel.

Ansonsten war es für die beiden Südpfälzer eine Partie wie jede andere. „Da wir ja bekanntlich am nächsten Tag arbeiten mussten, feiern wir unser kleines Jubiläum nach“, meint Kuschel. Sie haben ein Ritual, halten auf Anreisen zu ihren Einsätzen einmal zum Kaffeetrinken an. Knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff tauschen sie sich nochmals in aller Ruhe intensiv aus. Die Anfahrt kommt einer Dienstbesprechung gleich. „Wir gehen jedes Spiel mit der gleichen Vorbereitung und Ernsthaftigkeit an“, betont Kuschel. Man tauscht sich über Fakten, wie die Tabellensituation der beiden Mannschaften, deren Angriff- und Abwehrsysteme, aber auch über die jeweiligen Trainer aus. Tabu ist dagegen eine vorherige Videoanalyse der beiden Mannschaften. „Damit wollen wir jeglicher Voreingenommenheit aus dem Weg gehen“, erklärt Kuschel. „Jedes Spiel ist ein neues Spiel, jedes Spiel ist anders“, ergänzt Kern. „Wichtig ist, dass wir hochkonzentriert in das Spiel gehen und eine möglichst konstante und fehlerfreie Leistung abrufen“, betont Kuschel.

Inzwischen sind sie derart routiniert, dass sie gelernt haben, in jeder Situation die Oberhand zu behalten. Nervös? „Nein, im Gegenteil. Wir können auf eine lange Erfahrung zurückblicken, das gibt uns Sicherheit“, meint Kuschel. Und sie sind noch lange nicht am Ende ihrer Schiedsrichter-Laufbahn. Kuschel, der 32 Jahre alte Pädagoge am Europa-Gymnasium in Wörth, sagt aber auch; „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 50 noch pfeifen werde.“ Kern, ein Jahr älter, ist inzwischen Vater von zwei Kindern. Er arbeitet als Elektroingenieur bei Siemens in Rastatt. Die Schiedsrichterei ist für ihn der Ausgleich zur Familie und Beruf. Dennoch haben die beiden jungen Männern noch einen Traum: Der Aufstieg in die Bundesliga der Männer, die beste Liga der Welt, ist der ganz große Wunsch von Thorsten Kuschel und Thomas Kern.

 

 

 


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 23.01.2017"

Prägender Sportsgeist

Sportbund Pfalz zeichnet verdiente Ehrenamtler bei einer feierlichen Ehrungsmatinee in Ludwigshafen aus

Von Klaus D. Kullmann

 
Man mag es nennen wie man will, ob Ehrungsmatinee, Neujahrsempfang oder Gratulationsmarathon, der Sportbund Pfalz hat längst erkannt, was ihm seine Ehrenamtler wert sind: einen netten Vormittag in trauter Runde und angenehmem Ambiente, bei Fingerfood und Gulaschsuppe, einem Gläschen Wein dazu und natürlich mit ein paar lobenden Worten.„Das Ehrenamt prägt.“ Dieter Noppenberger, der Präsident des Sportbundes Pfalz, warf den Satz in die Runde im Turmrestaurant. Draußen im Ludwigshafener Ebertpark blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und eisig kalt. Drinnen Harfenmusik von Esther Maimone und eine Aikido-Demonstration des Aikido-Clubs Frankenthal, eines von fünfen in Rheinland-Pfalz, und eine warme Atmosphäre.

Ein illustrer Kreis. Wenn man so will, und das ist alles andere als abschätzig gemeint, ein Ü60-Kreis. Verdiente Menschen also. Ja, das Ehrenamt prägt. Die Ehrenamtler prägen die Gesellschaft, die Ehrenamtsarbeit prägt aber auch den Ehrenamtler selbst. Kann ja sein, dass manche dieses Wortes überdrüssig sind, aber das sind dann die Ewiggestrigen. Denn klar ist: Ohne Ehrenamt liefe einiges viel schlechter in unserem Alltag. Auch im Sportalltag.

Mit Herz, Kopf und Hand seien diese Menschen dabei, sagte Noppenberger. Sie gehörten zur Gruppe derer, die den Sport in der Pfalz weiterbrächten. Ein Vergleich nur: 1970 gab es in der Pfalz 1000 Sportvereine, heute sind es 2118. Alles klar?

Zum dritten Mal rief der rührige Sportbund Verbands-, Sportkreis- und Vereinsmitarbeiter zusammen. Solche, die schon 2016 geehrt wurden, und nun einfach zum gemeinsamen „Danke hören“ eingeladen wurden, wie etwa den Landauer Günter Scharhag vom SSC Landau, der im Dezember das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Für ein Leben für den Sport seit 1949 .

Und solche, die am Samstag vor Ort von ihrer Ehrung erfuhren. Etwa die drei Verbandsvorsitzenden Rainer Strohbach (Volleyball), Dieter Wilking (Bogensport) und Friedhelm Jakob (Ludwigshafen). Der Bad Bergzaberner Werner Ertel gehört auch in diesen Fachverbandskreis, nur: Ertel, seit 37 Jahren Schriftführer im Volleyband-Verband, hat drei Vorsitzende überstanden. „Das muss einer sein, der sehr gut mit Menschen umgehen kann“, sagte Noppenberger über Ertel.

Die Sportgeschichte hat inzwischen einen hohen Stellenwert in der Pfalz erhalten, nicht zuletzt durch das Sportmuseum in Hauenstein. „Eine Zierde“ nannte es Willy Schächter, der Leiter des deutschen Schuhmuseums, unter dessen Dach die Sportler untergekommen sind, was Schächter „eine gelungene Symbiose, eine Sternstunde“ nannte, „auf die wir sehr stolz sind“. Von über 25.000 Besuchern im Jahr 2016 sprach Schächter.

Ebenfalls historisch unterwegs ist Reiner Flörsch aus Böhl-Iggelheim, der Archivar des Ludwigshafener Rudervereins von 1878. „Ein Engagement des Herzens“ nannte er seine über 10.000 Stunden Fleißarbeit in zehn Jahren.

Erich Fix vom TB Assenheim sagte etwas, was wohl die meisten gerade in diesem Moment so empfanden: „Ich bereue keine Stunde, keine Minute meines Einsatzes für den Sport“, und auch den Gedanken von Heinz Baumeister dürften viele kennen: „Ich bin zu dem Amt gekommen wie die Jungfrau zum Kind.“ Er ist seit 1997, dem Gründungsjahr, Vorsitzender des Behindertensportvereins Frankenthal. Der Verein hat heute 800 Mitglieder. Viel falsch gemacht haben können Baumeister und seine Vorstandsmitglieder nicht. Und all die anderen im Ebertpark Geehrten auch nicht.

Die Geehrten

Rainer Strohbach (Dannstadt), Dieter Wilking (Weyher), Friedhelm Jakob (Ludwigshafen), Werner Ertel (Bad Bergzabern), Kurt Sturm (Wörth), Reiner Flörsch (Böhl-Iggelheim), Willy Schächter (Hauenstein), Dr. Alexander Bleckmann (Winnweiler), Klemens Kluge (Landau), Gerhard Mentzel (Gommersheim), Heinz Baumeister (Frankenthal), Erich Fix (Assenheim), Manfred Fluhr (Orbis), Eberhard Linke (Gönnheim), Karl-Heinz Petry (Germersheim), Dr. Wolfgang Reibel (Ludwigshafen), Klaus Rinnert (Büchelberg), Manfred Schmidt (Wörth), Rainer Wogantzke (Kaiserslautern), Manfred Ecker (Landau), Günter Scharhag (Landau), Heinz Borngesser (Kaiserslautern), Rita Kwiet (Homburg), Margot Hörner (Eppstein), Horst Roos (Neustadt), Reinhard Wolf (Frankenthal), Hubertus Gramowski (Kaiserslautern), Karl Bentz (Speyer), Volker Schellenberger (Rheinzabern), Norbert Stollberg (Frankenthal), Hans-Jürgen Mohr (Frankenthal), Margitta Möller (Maxdorf), Rolf Leeb (Landau), Günter Paulus (Kirchheimbolanden).

 

 


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 11.01.2017"

„Haben starke Mannschaft“

Interview: Andreas Michelmann (57) ist seit September 2015 Präsident des Deutschen Handballbundes. Am Montag war er Ehrengast beim Neujahrsempfang der Pfälzer in Haßloch. Der Aufreger auch dort: die WM und das Fernsehen.

Herr Michelmann, Handball-Deutschland hadert, weil die WM in Frankreich nicht im Fernsehen zu sehen ist. Wie kam’s dazu?Im März des vergangenen Jahres am Rande des Länderspiels gegen Katar haben wir bereits darüber gesprochen. Dabei waren IHF-Präsident Hassan Moustafa, Vertreter von beIN Sport und Vertreter von ARD und ZDF. Da war ich noch guter Hoffnung, dass wir eine Lösung finden. Während der Fußball-EM in Frankreich sprachen wir in gleicher Konstellation in Paris miteinander, da wurde mir aber klar, dass hier zwei Kulturen aufeinander treffen. Danach habe ich auf Sat1, Pro7, RTL gehofft, später auf Sky. Jetzt bin ich froh, dass die WM zumindest im Internet zu sehen ist. Ich bin froh, dass es überhaupt eine Lösung gab.

Ob die Frauen-WM in Deutschland bei uns im Fernsehen zu sehen ist, ist ja auch noch unklar, oder?Genau. Mut macht mir, dass die Frauen-WM nicht so lukrativ ist – und dass das Problem die Öffentlichkeit nun mehr interessiert. Ich habe während des Besuches bei Frau Merkel darauf hingewiesen, geblieben ist für viele aber nur die Raute, die die Spieler mit ihren Fingern gebildet haben.

Die Bundesliga setzt künftig auf Sky und die ARD. Ihre Meinung?Das war eine Entscheidung der Liga. Wir waren zu jeder Zeit informiert. Anscheinend hat man bei Sport1 keine Entwicklung gesehen. Das Sky-ARD-Projekt ist unter anderem mit einem einheitlichen Spielplan verbunden. Wir sehen da Chancen für den Handball.

Zur WM: Was trauen Sie der deutschen Mannschaft in Frankreich zu?Wir haben eine starke Mannschaft. Das mit Holger Glandorf als nun auch eingespielter Reservist ist ein kluger Schachzug. Wobei ich bedauere, dass neben Steffen Weinhold auch Fabian Wiede nicht dabei ist. Er hat bei der EM und bei den Olympischen Spielen sehr gut gespielt.Stefan Kretzschmar hat kritisiert, dass der Verband nicht wirklich um Bundestrainer Dagur Sigurdsson gekämpft habe. Hat er Recht?Als die anderen Pläne von Sigurdsson im Oktober öffentlich wurden, parallel zu seiner Biografie, war uns allen schnell klar, dass er nicht zu halten sein würde. Er hat eine Lebensentscheidung getroffen, für Japan. Ich bedauere das, kann es aber nachvollziehen. Stefan Kretzschmar ist als Aufsichtsratsmitglied vom SC DHfK Leipzig natürlich daran interessiert, dass Christian Prokop seinem Klub erhalten bleibt.

Der Bundestrainer-Favorit in der Sportredaktion der RHEINPFALZ ist Michael Biegler!Michael Biegler macht einen großartigen Job bei den Frauen, diese Akribie, diese Mischung, wie er den Frauen mit Forderungen und Respekt begegnet, ist toll. Wir freuen uns wirklich über die Fortschritte. Er hat das utopische Ziel, bei der Heim-WM in Hamburg das Halbfinale zu erreichen, schnell realistisch erscheinen lassen. Wir wollen alles dafür tun, dass es auch so bleibt.

Nachhaltigkeit war das große Thema nach dem WM-Titel 2007. Das hat nicht ganz geklappt. Welche Fehler von damals können Sie vermeiden?Damals hat man vielleicht ein bisschen zu lange gefeiert. Den Effekt von der EM in Polen werden wir erst in zwei, drei Jahren sehen. Der Vorteil jetzt ist, dass wir Strukturen haben, die schon greifen – wie die Kooperation mit der AOK.

Als Sie DHB-Präsident wurden, gab es auch kritische Stimmen. Tenor: Wie kann das funktionieren, Oberbürgermeister der Stadt Aschersleben sein – und zudem Sportfunktionär ...Ich werde von beiden Seiten kritisch beäugt – von den politischen Gegnern und auch vom Sport. Es funktioniert deshalb, weil ich als OB ein eingespieltes Team habe. Und es funktioniert beim Handball, weil wir mit Mark Schober einen Generalsekretär haben, der sich um das operative Geschäft kümmert. Interview: Udo Schöpfer


 

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