Die Rheinpfalz - Speyerer Rundschau  "Ausgabe 24.06.2017"

Nowaks Granaten und die charmante Jasmina

Handball: Die deutschen Mädchen besiegen Kroatien gestern Abend in der Osthalle Speyer am Ende dann doch mühelos 29:18. 700 Zuschauer verfolgen begeistert das von Klaus Bethäuser und dem TSV bestens organisierte Match.

Von Henning Schwarz

 
Speyer. „Es ist 18 Uhr und 19 Minuten. Wir sind hier in Speyer zum Handball-Länderspiel der A-Juniorinnen Deutschland gegen Kroatien“: Moderator Siggi Weickenmeier (Speyer) begrüßte gestern Abend die 700 Fans wie weiland Dieter-Thomas Heck die Fernsehzuschauer der ZDF-Hitparade und sorgte gleich für gute Stimmung in der schwül-warmen, mit den Flaggen der beiden Länder geschmückten Sporthalle Ost.

„An einem solchen Tag spielt man eigentlich lieber Fußball im Freien als Handball in der Halle. Deshalb meinen Respekt an Sie und die Spielerinnen“, sagte der Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes, Friedhelm Jakob. Jakob berichtete vom zuvor erfolgten herzlichen Empfang durch Speyers Bürgermeisterin Monika Kabs und dass Bundestrainer Maik Nowak die Pfalz ganz wunderbar findet.

Klaus Bethäuser, Lehrwart des Verbandes und organisatorischer Kopf der Veranstaltung, meinte gar, Nowak gefalle hier alles so gut, dass er nächstes Jahr mit dem Nationalteam gerne zu einem weiteren internationalen Vergleich anlässlich des deutsch-französischen Jugendaustausches in die Domstadt kommen wolle.

Weickenmeier, der zuvor mit den begeisterten Fans bereits das Klatschen und Jubeln trainierte, stellte nach dem Abspielen der Nationalhymnen die Spielerinnen vor. Bei den Kroatinnen unterstützte ihn Jasmina Djozic charmant. Die Lingenfelderin und Tochter von Jasmin Djozic, der früheren bosnischen, Lingenfelder und Speyerer Handballgröße, dolmetschte bereits beim Empfang der Stadt.

Den Gästen, seit Donnerstag vor Ort, gefiel unmittelbar vor dem Anpfiff der Ball nicht. Ersatz hielt her. Das nutzte zunächst wenig. Denn Deutschland legte, unterstützt durch das rhythmische Klatschen seiner Fans, das 3:0 vor.

Kurz darauf herrschte vorübergehend Stille. Lea Franusic landete nach einem Sprungwurfversuch hart auf dem Hallenboden und blieb mit blutender Nase liegen. Sanitäter und die deutsche Mannschaftsärztin Steffi Klausing eilten herbei. Die Linkshänderin schied mit Verdacht auf Nasenbeinbruch aus.

Nach einer nervösen Auftaktphase mit vielen technischen Fehlern und vergebenen Siebenmetern auf beiden Seiten bekamen die Gastgeberinnen das Geschehen sportlich allmählich in den Griff. Beide Teams versuchten trotz der Hitze, Tempo zu machen. Aber Kroatien ließ in dem Maße nach, wie sich die Deutschen steigerten. Weickenmeier half mit, forderte die Zuschauer zur Unterstützung auf: „Nicht nachlassen, Speyer, noch siebeneinhalb Minuten bis zur Pause zu spielen.“

Zuschauer Heiko Stoffel (Römerberg) fand in der Halbzeit die deutsche Abwehr zu passiv. Michael Reichling (Bellheim) überraschte, dass die Kroatinnen ihre körperlichen Vorteile nicht besser zur Geltung brachten. Bethäuser, der nach dem Abpfiff und viel Beifall von den Rängen die 102 Teilnehmer des gestern mit dem Länderspiel begonnenen Trainersymposiums auf der Tribüne zu einer improvisierten Pressekonferenz versammelte, meinte: „Ich bin sehr überrascht über das gute Niveau der Jahrgänge 2000 und 2001. Da sind einige Granaten dabei.“ Sport


 

Die Rheinpfalz - Speyerer Rundschau  "Ausgabe 24.06.2017"

Den Schalter umgelegt

HANDBALL: Deutsche A-Juniorinnen schlagen Kroatien in Speyer mit 29:18

VON HENNING SCHWARZ

Speyer. Einen ungefährdeten Erfolg feierte die deutsche Handball-Nationalmannschaft der A-Juniorinnen gestern Abend in Speyer gegen Kroatien. Die Sieben der Coaches Maik Nowak und Zuzanna Porvaznikova bezwang die Auswahl vom Balkan vor 700 Zuschauern aufgrund einer Steigerung nach der Pause auch in der Höhe verdient mit 29:18 (15:10).

Die Deutschen verteidigten zunächst bissig und starteten erfolgreich. Carlotta Fege (Dortmund) markierte nach einer starken Einzelaktion aus dem Rückraum das 3:0 (6. Spielminute). Die Gäste nahmen eine Auszeit, verloren kurz darauf Lea Franzusic mit Verdacht auf Nasenbeinbruch, kamen aber dann besser ins Spiel. Beim 4:4 (13.) gelang der Ausgleich und beim 5:6 (17.) schien die Partei sogar kippen zu können. Deutschland schlug durch Maxi Mühlners Treffer zum 8:6 (20.) zurück. Doch bis zum 9:9 (23.) blieb die Partie ausgeglichen. Die pfälzischen Referees Sandra Senk/Daniela Kuschel kamen mit 2/1 Zeitstrafen aus.War das erste Spieldrittel noch von einigen Fehlern auf beiden Seiten geprägt, machten sich die Gastgeberinnen jetzt auf den Weg, das Geschehen mit ihrer stärksten Waffe, dem Konterspiel (insgesamt neun Treffer), für sich zu entscheiden. Kurz vor und nach der Halbzeitpause gelang der entscheidende Vorstoß von 12:10 auf 19:10 (34.). Kroatien hatte fortan kaum noch etwas entgegenzusetzen. Nach dem 27:16 (54.) durch Lena Hausherr (Dortmund) war das faire Spiel entschieden.

„Ich bin froh und glücklich, dass wir den Schalter in der zweiten Halbzeit umlegen konnten. Wir haben einiges probiert, was ich so in einem Pflichtspiel nicht versuchen würde“, sagte Nowak zum schwierigen ersten Spieldrittel. Er zollte seinen Schützlingen, die eine harte Trainingswoche in den Beinen hatten, Respekt für die engagierte Leistung.

Für Deutschland trafen Kretzschmar (4), Bleckmann (4/1), Hausherr, von Pereira (je 3), Wulf, Michalczik, Neubrander, Weise, Mühlner, Kockel (je 2) sowie Golla, Scheib und Fege (je 1).


 

Die Rheinpfalz - Speyerer Rundschau  "Ausgabe 21.06.2017"

Torfrauen unter vollem Beschuss

Reportage: Zu Besuch bei der Handball-Mädchen-Nationalmannschaft – Am Freitag Länderspiel gegen Kroatien in Speyer

Von Martin Erbacher

Hassloch. Die Pfalzhalle in Haßloch ist fast leer. Die neue Klimaanlage surrt leise und sorgt für wohltuende Kühle. „Guten Morgen“, sagt die einzige schon anwesende, verletzte Spielerin im roten Hemd mit weißem Deutschland-Schriftzug freundlich. Wir warten – auf das Training der weiblichen A-Jugend-Handball-Nationalmannschaft, die am Freitag (18.30 Uhr) in der Speyerer Osthalle gegen Kroatien spielt.

Klaus Bethäuser (Speyer), Lehrwart des Pfälzer Handball-Verbandes und Organisator der Partie, schlurft kurzbehost in Sandalen über den Parkplatz. „Gute Morgen, Chef“, begrüßt er den Mitarbeiter in der Geschäftsstelle: „Die Mannschaft kommt eine Viertelstunde später.“Dann sind sie, in Kleinbussen aus der Sportschule Edenkoben angereist, alle da, 18 Mädels der Jahrgänge 2000/01 in weißen Deutschland-T-Shirts, mit schwarzen und grünen Rucksäcken, Wasserflaschen bewaffnet, alle höflich. „Un? Habt ers gfunne?“, spielt Bethäuser auf die Umleitungen in Haßloch an.

Die Verletzte erhält von den Mitspielerinnen Küsschen. „Die Chefs kommen als Letzte“, kündigt Bethäuser an. Und da ist es, das Funktionsteam um Chef-Trainer Maik Nowak. Schon gibt’s einen Händedruck von keinem Geringeren als DDR-Torwartlegende und Moskau-Olympiasieger Wieland Schmidt. Auch auf dem Parkett tummelt sich ein berühmter Name: Lucie Kretzschmar vom HC Leipzig ist die Tochter von Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar.

Eine Spielerin muss wegen einer Blutblase zum Arzt, Nowak: „Sagt, es ist wichtig. Drängt euch vor. Ihr schafft das.“ Das Warmmachprogramm läuft. Musik erklingt. Die jungen Handballerinnen werfen sich harte Pässe zu. Dann nehmen sie ihre Torhüterinnen aus allen Lagen unter Beschuss, mit hohen Bällen abwechselnd von rechts und links. Schmidt gibt mit ruhiger Stimme Tipps.

Vor der Tribüne liegen rote und grüne Leibchen, Klebeband, auf den Bänken schwarze und gepunktete Faszienrollen zur Stärkung des Bindegewebes, eine Kühlbox, weiße sowie blaue Turnschuhe. „Weiter geht’s“, ruft Nowak. Liegestütze stehen an. Nowak ist mittendrin: „Anspannen, lockerlassen, Fußspitzen Richtung Knie.“

Das Team wirft nun aus größerer Entfernung, dann aus ganz kurzer. Drei Mädels greifen zur Trinkflasche. „Ein Torwart drüben ins Tor“, befiehlt der Coach: „Laufschritt, auf geht’s.“ Das Problem drüben: Das Fangnetz hinter dem Gehäuse ist hochgezogen. „Könnt ihr das Netz runtermachen?“, fragt er Bethäuser.

„100 Prozent gegen den Block“, fordert Nowak: „Alles klar?“, „Ja“, kommt es deutlich zurück. Die nächste Anweisung: „100 Prozent Sprint, nicht sechs Meter, acht Meter. Alles klar, Mädels? Das muss schneller gehen.“

Bethäuser und der Geschäftsstellenmann schleppen eine riesige Leiter heran. Bethäuser führt die Aufsicht. Sein Kollege macht sich ganz oben am Netz zu schaffen. „Schneller, schneller, Abstände länger lassen“, verlangt drunter der Handballlehrer: „Das dauert zu lange.“

Der Geschäftsstellenmann steigt die Leiter herunter und ein paar Meter weiter rechts wieder hinauf. Nowak und seine Schützlinge gehen zur nächsten Blockübung weiter. „Abwehrarbeit, Gegenstoß, schnelle Mitte“, all das will er bis Samstag verinnerlichen, wie er im Gespräch sagt.

So spielen sie

Deutschland, weibliche A-Jugend: Charley Zenner (5 Länderspiele, Sachsen Zwickau), Laura Waldenmaier (6, FA Göppingen), Vivien David (HSG Blomberg-Lippe), Lena Hausherr (5/9 Tore), Hannah Kriese (1/1), Mariel Wulf (5/21), Leonie Kockel (21/25), Carlotta Fege (5/11, alle Borussia Dortmund), Paulina Golla (6/4, FSG Mainz/Budenheim), Lucie Kretzschmar (19/30), Maxi Mühlner (4/4), Julia Weise (9/18), Pauline Uhlmann (2/3, alle HC Leipzig), Dana Bleckmann (5/21, TV Aldekerk), Aimée von Pereira (MTV Herzhorn), Malina Marie Michalczik (3, HLZ Ahlen), Lea Neubrander (9/18, SG Herrenberg), Jana Scheib (4/4, SG Bietigheim)


 

Die Rheinpfalz - Rheinpfalz am Sonntag "Ausgabe 28.05.2017"

HANDBALL

Weiter mit Jakob

HASSLOCH. Friedhelm Jakob (Ludwigshafen) ist gestern als Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes wiedergewählt worden. Der 66-Jährige hat nun ein Ehrenmitglied im Spitzengremium. Dazu ernannte der Verbandstag Adolf Eiswirth (72), Vizepräsident Finanzen aus Römerberg.

Mit visionären Plänen, wie sie Rolf Reincke bei den Perspektiven 2020+ des Dachverbandes DHB skizzierte, konnte Jakob gestern in Haßloch nicht aufwarten. Er hat in den nächsten zwei Jahren eine eingespielte Mannschaft, mit der er Probleme angehen kann. Einer seiner Wegbegleiter, der die Sanierung der Pfalzhalle leitete, ist nicht mehr dabei. Achim Hammer (Waldsee), als Vizepräsident Organisation und Entwicklung sein Stellvertreter, kandidierte nicht mehr. Das Präsidium wird den zweiten Vorsitzenden künftig aus seiner Mitte bestimmen und will sich Zeit lassen mit der Besetzung des offenen Amtes. Aus der Versammlung kam kein Personalvorschlag.

Der Hamburger Reincke, noch bis Oktober im DHB-Präsidium, brachte die Handballer ins Träumen: Platz eins bis drei bei internationalen Männer-Wettbewerben, bei der Hallen-WM der Frauen mindestens Halbfinale, ab 2020 zwei Medaillen bei Olympischen Spielen und vier, wenn Beachhandball dazu kommen sollte, seien die Ziele. Dazu ein Plus von annähernd 100.000 auf 800.000 Mitglieder und verpflichtende Kooperationen mit Schulen oder Kindergärten. Jakobs Ziele: einen Schulsportbeauftragten gewinnen, mehr Frauen in die Verantwortung holen, eine „größere Lösung für den Handball in unserem Bundesland“ – mit dem Saarland. Er geht sie an mit Eiswirth und mit der Vizepräsidentin Jugend Christl Laubersheimer (Neustadt), die Sportbund-Pfalz-Präsident Dieter Noppenberger mit der Goldenen beziehungsweise Silbernen Ehrennadel auszeichnete, mit Josef Lerch (Offenbach), Rainer Krebs (Römerberg), Manfred Köllermeyer (Rodalben). Zur Schiedsrichter-Problematik redete Bundesligaschiri Thorsten Kuschel, der 13- bis 17-Jährige ausbildet, Tacheles: „Manche Eltern sollten sich überlegen, ob sie ihre Aggressionen nicht besser zu Hause oder im Wald abbauen.“ Bei einem Jugendspiel hatte ein Jungschiri keinen Mut mehr, die zweite Hälfte anzupfeifen. thc


 

Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau  "Ausgabe 27.05.2017"

 

Drei Fragen an ...

Friedhelm Jakob, Präsident der pfälzischen Handballer

Herr Jakob, gehen Sie als der fünfte und zugleich letzte Präsident in die Geschichte des Pfälzer Handball-Verbandes ein? Es ist ja so, dass Sie nochmals für zwei Jahre kandidieren, weil der Verband sonst führungslos wäre.

Wieso der letzte? Es ist kein Geheimnis, dass das Präsidium in die Jahre gekommen ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in zwei Jahren einen jungen Präsidenten haben. Vielleicht aus einem Kompetenzteam, wie wir 1998 eines waren mit Josef Lerch, Walter Laubersheimer, Jürgen Thomas, Hans Thomas und mir, Leuten um die 50. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Krankheit meines Stellvertreters Achim Hammer alles gelähmt. Da habe ich gesagt: Okay, ich mache noch zwei Jahre weiter. Dann bin ich 68. Das schafft dann auch noch einmal Ruhe und Zeit, die Nachfolge von der Spitze her zu regeln.

 

Woher nehmen Sie Ihren Antrieb?

Zum einen von vielen Leuten, die mich ermutigt haben, jetzt nicht aufzuhören. Zum anderen: Eine angedachte Lebensveränderung hat sich nicht ergeben, und ich engagiere mich gerne weiter für den Sport.

 

Gibt es wegweisende Entscheidungen?

Grundsätzlich ja. Einmal im EDV-Bereich, die Einführung des Programms Phoenix, die meisten Verbände arbeiten ja längst EDV-gestützt, fällt uns noch ein bisschen schwer. Auch der DHB wird manches neu ausrichten. Es wird einen geschäftsführenden Vorstand geben. Da müssen die Landesverbände als Vertreter des Breitensports sich auch neu organisieren. Auch im Bereich der Jugendleistungsförderung werden neue Wege beschritten. Hier stellt sich die Frage, im Südwesten gemeinsam mit dem Saarland zu agieren. Und die Kernfrage, auf die wir Antworten finden müssen: Was halten wir der abnehmenden Mitgliederzahl entgegen?

INFO

In der Haßlocher Pfalzhalle beginnt heute um 9.30 Uhr der Verbandstag des Pfälzer Handball-Verbandes. Friedhelm Jakob (66), Pfarrer und lange Dekan in Speyer, Präsident seit 2008, tritt noch einmal an.thc


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 18.04.2017"

Mit Mühe durchgesetzt

HANDBALL: Frauen der SG Ottersheim holen Pfalzpokal

HASSLOCH. Die SG Ottersheim/Bellheim/Zeiskam (OBZ) ist zum dritten Mal hintereinander Erdinger-Pfalzpokalsieger der Handballerinnen. Der Oberligist setzte sich gestern in Haßloch mit Mühe 27:23 (12:12) gegen die TG Waldsee durch, die kurz vor dem Finale als Pfalzliga-Meister ausgezeichnet wurde.

Waldsee mit 5-1-Abwehr (Lea Eckrich ging nach vorne), OBZ mit 3-2-1-Abwehr. Das waren erkennbare Unterschiede. Wer die Oberligatabelle anführt, das wurde nur ansatzweise klar, wenn die SG ihr schnelles Spiel aufziehen konnte. Waldsee hatte einen Plan dagegen. Und ging nach dem 7:7 in Führung.Mit dem 13:12 für OBZ läutete Kim Reichling die zweite Hälfte ein. Das Spiel wurde härter. Nach dem 14:15 musste Bea Demski (TGW) für ein paar Minuten benommen hinaus. Nach der Roten Karte für Vera Klapproth (TGW), die Julia Sefrin gefoult hatte, konnte sich OBZ kurz lösen, Ann-Katrin Hauck stellte auf 18:15 (41.). Waldsee fing sich wieder, kam heran auf 21:22 (52.). Letztlich machte OBZ-Keeperin Linda Knarr mit zwei gehaltenen Strafwürfen und acht weiteren Paraden den kleinen Unterschied aus. In der Schlussphase konnte Waldsee nicht mehr nachlegen.

„Wir haben ihnen alles abverlangt“, resümierte der mit seiner Mannschaft zufriedene TGW-Trainer Gerd Götz. Zwei, drei OBZ-Gegenstöße hätten sie zurückgeworfen, in den letzten Minuten haben dann die Kraft und Konzentration nachgelassen. „Wir haben gut trainiert, waren aber extrem nervös und in der Abwehr träge“, stellte OBZ-Trainer Jens Zwißler fest. Er hofft, dass Spielmacherin Christin Becht-Zekl, die sich verletzte, im Oberliga-Topspiel in Bassenheim auflaufen kann.

So spielten sie

SG Ottersheim/Bellheim/Zeiskam: Knarr (Haag) - Hauck (5), Becht-Zekl (1), Weber (1) - Urschel (6/4), Reichling (3) - Silaghi; Sefrin (6/1), Winter (3/1), Glaser (2), Herrmann, Prinz

TG Waldsee: Claus (Hantl) - Demski (5), Klapproth, Barth (5/1) - Knittel (5/1), Eckrich (1) - Rößler (3); Schwarz (3), Fischer (1), Keller, Yilmaz, Schall

Spielfilm: 3:3 (6.), 6:5 (11.), 7:8 (19.), 9:11 (25.), 12:12 (Halbzeit), 14:15 (36.), 18:15 (41.), 21:20 (50.), 27:23 (Ende) - Zeitstrafen: 4/3 - Siebenmeter: 8/6 - 3/2 - Beste Spielerinnen: Hauck, Becht-Zekl, Knarr - Rößler, Demski, Schwarz - Zuschauer: 350 - Schiedsrichter: Schwibinger/Schwibinger (Hessloch).thc


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 18.04.2017"

Eckbachtals Pokal-Coup

HANDBALL: 32:31-Finalerfolg gegen KL-Dansenberg

VON THOMAS CATTARIUS

HASSLOCH. Die Handballer der HSG Eckbachtal haben den Erdinger-Pfalzpokal gewonnen. 32:31 (14:15) schlug der Pfalzligist gestern in Haßloch den Oberliga-Spitzenreiter TuS KL-Dansenberg.

Rouven Hahn grinst wie ein Lausbub. Er hat den Jubel genossen nach seinem letzten gehaltenen Ball gegen Christopher Seitz und die Ehrungszeremonie hinter sich. „Es war mein Traum, den Pokal zu holen“, sagt der Torhüter der HSG Eckbachtal, der nach der Runde zu den VTV Mundenheim wechselt. Der Traum nahm bereits Konturen an mit dem 32:29 von Sven Dopp 90 Sekunden vor Schluss.Da war Dansenbergs Trainer Marco Sliwa schon auf 180 und nicht einverstanden mit manch Schiedsrichterentscheidung. Direkt nach dem Spiel-ende gratulierte er HSG-Trainer Thorsten Koch und wahrte dann auch die Contenance: „Wir waren nicht bereit, den Schritt mehr zu machen, Eckbachtal wollte unbedingt. Da muss sich jeder fragen, ob das die Topleistung war, die für die letzten fünf Spiele in der Oberliga reicht.“

Dansenberg begann das Finale gut. Die 6-0-Abwehr hatte zuerst alles im Griff, nach vorne ging die Post ab. Charalampos Mallios erzielte sein drittes Tor zur 5:3-Führung, Tim Beutler, der nur in der Abwehr begonnen hatte (Alexander Schulze kam für den Angriff), erzielte nach dem Wechsel in den Angriff das 11:7 (19.). Aber so langsam schien Eckbachtal das gegnerische Spiel zu lesen. Die HSG verteidigte offensiver mit 3-2-1, zwang Dansenberg häufiger ins Positionsspiel, bekam richtig Lust auf den Pokal-Coup und verkürzte.

Das 13:13 war der erste Ausgleich. Für Thomas Betz von der HSG war das Spiel da schon zu Ende. Er verletzte sich in der 12. Minute am Knie, Verdacht auf Kreuzbandriss.

Nach dem 20:20 wurde es für Dansenberg kritisch. In doppelter Unterzahl kassierte der TuS das 21:23, Tobias Lerzer traf ins verwaiste TuS-Tor. Luca Munzinger (27:26) warf den TuS noch einmal in Führung, aber Eckbachtal glaubte an sich und die Überraschung.

„Wie das so ist für den Underdog: mehr gekämpft als gespielt. Wir haben ein rassiges Spiel gesehen, es über das Kämpferische gelöst, und wir hatten eine gute Torquote“, sagte HSG-Trainer Koch. „Nach der Niederlage in der Meisterschaft in Offenbach haben wir geweint, jetzt haben wir es verdient, lachend aus der Halle zu gehen.“

So spielten sie

HSG Eckbachtal: Hahn (Häuselmann) - Thomas Betz (1), Michael Betz (10/5), Baumann (3) - Tobias Lerzer (2), Bußer (2) - Subab (5); Suchomelli (2), Sven Lerzer (4), Dopp (1), Pozywio, Wenzel (2), Reibold

TuS KL-Dansenberg: Markus Seitz (Rincon) - Kiefer (8/3), Mallios (6/1), Christopher Seitz (6) - Labroue (2), Schulze (2) - Megaloikonomou (3); Tim Beutler (1), Jung (1), Munzinger (2), Nick Beutler, Lammering

Spielfilm: 1:3 (4.), 5:7 (11.), 7:11 (19.), 9:13 (25.), 13:13 (28.), 14:15 (Halbzeit), 16:18 (34.), 19:19 (38.), 24:21 (43.), 28:28 (51.), 32:29 (59.), 32:21 (Ende) - Zeitstrafen: 2/3 - Siebenmeter: 5/5 - 5/4 - Beste Spieler: Michael Betz, Baumann - Kiefer, Christopher Seitz - Zuschauer: 250 - Schiedsrichter: Bernhardt/Zick (Ludwigshafen).


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 25.02.2017"

Kampf der Verbände um Systeme

HINTERGRUND: Weshalb die Handball-Oberliga im Datennetz noch eine Wüste ist

HASSLOCH. „Upcoming“: die nächsten Spiele der Handball-Pfalzliga. Jedermann kann im Netz einsehen, wie seine Mannschaft gespielt, wer die Tore geworfen hat, wann die Tore fielen. Mancher Verein schaltet gar den „Liveticker“. Eine Wüste sind in dieser Saison jedoch die Oberligaspiele. Infos darüber? Keine. 2017/18 soll sich das ändern im intergalaktischen Kampf der Verbände und Systeme.

Es geht um „sis“, das Gatecom-System, das die Pfälzer, das der DHB verwenden. Um „Siebenmeter“, das Programm der Handball4all-AG, die sieben Handballverbände, überwiegend baden-württembergische, 2012 gründeten. Und um „NuLiga“, das es seit Kurzem auch für den Handball gibt. Ein anderer „Player“ ist „Sportradar“, mit ihm wird die Handball-Bundesliga (HBL) zusammenarbeiten. Zwei heben die Hand für „Siebenmeter“, der Pfälzer Handball-Verband (PfHV) steht auf „sis“, Rheinland ist für „NuLiga“. So ging die Abstimmung im Präsidium der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aus. Immerhin hat man sich vor Kurzem demokratisch geeinigt. „Siebenmeter“ wird den elektronischen Spielberichtsbogen für die Oberligaspiele ins Netz bringen. Die Vereine in den pfälzischen Ligen haben parallel „sis“ zu installieren. „Meine Hoffnung ist, der DHB wird für alle ein System finden, das scheint aber unmöglich zu sein“, meint Josef Lerch, der Spieltechnik-Chef im PfHV.

Die digitalisierte Welt wird alles überholen. Streaming-Dienste für Live-Bilder im Netz sind der nächste Renner. Zuschaltbar alle erdenklichen Statistiken. Wie gemütlich doch alles angefangen hatte in den 1980-Jahren.

Da saß Ewald Brenner in Heuchelheim vor seinem Commodore 64, dem Acht-Bit-Heimcomputer mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Zuerst ging es um Dateien für Schiedsrichter. 1983 wurden die ersten Spielpläne am Rechner erstellt und an die Vereine verschickt.

Zum Millennium löste der Niedersachse Jochen Engelmann ein Problem: Viele Programme verwendeten einen zweistelligen Jahrescode und waren nicht fit für das Jahr 2000. Er entwickelte ein neues Programm, „sis“ lief erstmals im Bezirk Weser-Ems. 2002 erwarb der PfHV eine Lizenz. Es wurde offizielles Programm des Verbandes mit Spielplanerstellung, Schiedsrichterwesen und bald auch Passwesen.

Ständig kamen Brenner und seinem Funktionärskollegen Norbert Diemer aus dem benachbarten Lambsheim Ideen, wie „sis“ noch besser werden könnte. Die Kontakte mit Engelmann begründen, weshalb sie dieses System bevorzugen.

In der Mache: eine einheitliche Passdatenbank. Daten mit Unterschrift und Passbild eingeben, und das System druckt einen vorläufigen Spielerpass für das in zwei Stunden beginnende Spiel aus.

Die „sis“-Konkurrenz hat einen Preiskampf entfacht. Brenner hält „sis“ für das beste Spielplanprogramm. „Siebenmeter“ kommt mit einem Verwaltungssystem daher, mit „Phönix“. Sein Verband wird es verwenden. Es wird daran gedacht, dieses System mit „sis“ zu verbinden. „Das ideale System werde ich nicht mehr erleben“, meint Brenner. thc


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 18.02.2017"

„Akzeptanz auf dem Feld ist da“

Handball: Junges Schiedsrichtergespann Frank Hund/Pascal Schnurr hat Pfalzliga-Debüt hinter sich – Lust auf mehr

Von Daniel Meyer

LANDAU. Beim Überraschungserfolg des TV Wörth zu Hause gegen Tabellenführer HSG Eckbachtal (21:21) kassierten zwei Protagonisten Lob von beiden Trainern. Und das, obwohl sie beim Spiel der Handball-Pfalzliga weder ein Tor erzielten, noch eines verhinderten: Frank Hund (18) aus Kirrweiler und Pascal Schnurr (19) aus Offenbach sind Schiedsrichter.

Mit dem Ergebnis in Wörth haben wohl die wenigsten gerechnet. Und auch die beiden Schiedsrichter dürften für verwunderte Blicke gesorgt haben. Das Debüt in der Pfalzliga kam „relativ unerwartet“, wie Hund sagt. In ihrer ersten Saison bei den Aktiven hatten sie sich darauf eingestellt, das Verbandsligaspiel TuS Neuhofen gegen TV Edigheim zu leiten. Die Referees wurden unter der Woche jedoch neu eingeteilt, nun ging es also nach Wörth. Kein Problem für die beiden.„Wir pfeifen ja wie jedes andere Spiel auch und sind froh, dass es geklappt hat“, sagt Hund. „Es ist ein komplett anderes Niveau, aber extra nervös waren wir nicht. Man ist vor jedem Spiel angespannt, aber wir behandeln auch jede Partie gleich.“ „Es war komplett anders, auch von den Zuschauern her“, zeigt sich auch Schnurr beeindruckt von der Pfalzliga-Kulisse. Rund 200 Zuschauer waren in der Wörther Bienwaldhalle.

Nach überstandener erster Hälfte waren die beiden im zweiten Durchgang gleich gefordert: Nur 16 Sekunden nach Wiederanpfiff packt Eckbachtals Maximilian Schreiber überhart gegen Wörths Johannes Neumann zu, für die Jungs mit der Pfeife eine klare Sache: Rote Karte. „Er trifft ihn im Gesicht“, analysiert Schnurr. „Schon in der ersten Hälfte hatte der Spieler eine ähnliche Aktion, da gab es eine Zeitstrafe“, erklärt Hund. Im Gespann habe man beim zweiten Mal auf Disqualifikation entschieden.

Die beiden sind im B-Kader der Schiedsrichtergespanne des Pfälzer Handball-Verbandes (PfHV) gesetzt und wollen so weit kommen, wie es geht. „Ich hoffe, dass wir bald hochrutschen“, sagt Hund. Schnurr hält weitere Einsätze in der Pfalzliga nicht für unmöglich. „Das ist eben ein allgemeines Problem, dass es wenige Schiris gibt.“ Ambitionen, später einmal auch in der Oberliga pfeifen zu dürfen, haben die Abiturienten. Hund geht aufs Gymnasium Edenkoben, hat Mathe, Physik und Sozialkunde in den Leistungsfächern. Schnurr besucht das Otto-Hahn-Gymnasium in Landau und hat ebenfalls Mathe, Chemie und Erdkunde in den Hauptfächern.

Für Hund, der in der Sommerpause beim Segelflugverein Haßloch seine Runden über der Südpfalz dreht, ist es die vierte Saison mit Schnurr an der Seite. Die Spielerkarriere war nach einer Verletzung gefährdet. „Man muss sich dann entscheiden, und für mich war klar, dass ich lieber Schiedsrichter bin“, sagt Hund.

Schiedsrichter wurde er aus einem einfachen Grund: Er wollte es besser machen als die, die seine Spiele pfiffen – oder verpfiffen. Schnell habe er aber gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist.

Schnurr begann 2011 und absolvierte kurz darauf die Schiedsrichterausbildung beim Verband. Auch er schnürte zuvor viele Jahre in der Jugend die Handballschuhe, spielte für den TVO. Nachdem er erst alleine Spiele leitete, fand er eher zufällig seinen Gespannpartner. „Mein Vater hatte Frank als Prüfling“, erzählt er. Schnurrs Vater Martin ist in verschiedenen Funktionen im Verband tätig, ist Staffelleiter der Verbandsliga und A-Klasse, Öffentlichkeitsbeauftragter der Homepage und gibt Lehrgänge für Zeitnehmer und Sekretäre.

„In der Halle hat mich Pascal dann mal darauf angesprochen“, erinnert sich Hund, dessen damaliger Schiri-Partner aus Friesenheim war. Allein vom logistischen Aufwand bot sich ein Gespann Hund/Schnurr also an.

Dass es für junge Schiedsrichter gerade im Aktivenbereich nicht einfach ist, wissen sie. Die meisten Zuschauer seien eher verwundert, wenn so junge Schiedsrichter auf dem Feld stehen, sagt Hund. „Vor allem ich sehe ja noch relativ jung aus, aber die Akzeptanz auf dem Feld ist immer da, die verschaffen wir uns auch.“ Was von außen kommt, lassen die beiden nicht an sich heran. „Man hofft, dass man akzeptiert wird“, sagt Schnurr. „Am Anfang war das noch ein großes Fragezeichen, aber mit Zuschauern, Spielern und Trainern hatten wir nie Probleme.“

Auch ohne Pfeife engagieren sich die beiden für den Handball. Schnurr auch aufgrund seines Hobbys Informatik als Webmaster, Hund als Jugendschiedsrichtersprecher. Gemeinsam sind sie im Jugendsprecherteam und wollen sich als „Stimme der Jugend“ aktiver für den Nachwuchs einsetzen. Sie wollen dem rückläufigen Trend entgegenwirken. meyd

 


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 11.01.2017"

Der Traum lebt

Pfalz-sportler der Woche: Am Mittwoch leiteten die Südpfälzer Thorsten Kuschel und Thomas Kern ihr 300. Spiel auf der Ebene des Deutschen Handball-Bundes.

Von Jochen Willner
 

BELLHEIM. Seit über elf Jahren sind sie bundesweit als Schiedsrichter des Deutschen Handball-Bundes (DHB) unterwegs. Thorsten Kuschel (Hagenbach) und Thomas Kern (Bellheim) standen am Mittwoch bei der Frauen-Bundesliga-Partie TuS Metzingen gegen die Neckarsulmer SU zum 300. Mal auf DHB-Ebene auf dem Parkett. Am Ende erhoben sich die Fans der Pinkladies von ihren Plätzen: TuS Metzingen sicherte sich mit einem 37:30 gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm zwei wichtige Zähler und bleibt im Meisterschaftsrennen der SG BBM Bietigheim auf den Fersen. Im Jubel ging im voll besetzten Sportzentrum Öscht das kleine Jubiläum der beiden Schiris unter. „Die Vereine wussten das nicht, das ist eine Sache, die intern bei den Schiedsrichtern gefeiert wird“, erklärt Kuschel.

Dennoch hatten sie an diesem Abend wieder einmal viel Spaß an der Pfeife. „Es war echt toller Handball mit einer tollen Atmosphäre“, berichtet Kuschel. „Dazu noch ein äußerst faire Partie mit nur zwei Zeitstrafen“, ergänzt Kern. „So hatten wir bei unserem 300. Spiel einen äußerst angenehmen Abend“, meint Kuschel.

Ansonsten war es für die beiden Südpfälzer eine Partie wie jede andere. „Da wir ja bekanntlich am nächsten Tag arbeiten mussten, feiern wir unser kleines Jubiläum nach“, meint Kuschel. Sie haben ein Ritual, halten auf Anreisen zu ihren Einsätzen einmal zum Kaffeetrinken an. Knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff tauschen sie sich nochmals in aller Ruhe intensiv aus. Die Anfahrt kommt einer Dienstbesprechung gleich. „Wir gehen jedes Spiel mit der gleichen Vorbereitung und Ernsthaftigkeit an“, betont Kuschel. Man tauscht sich über Fakten, wie die Tabellensituation der beiden Mannschaften, deren Angriff- und Abwehrsysteme, aber auch über die jeweiligen Trainer aus. Tabu ist dagegen eine vorherige Videoanalyse der beiden Mannschaften. „Damit wollen wir jeglicher Voreingenommenheit aus dem Weg gehen“, erklärt Kuschel. „Jedes Spiel ist ein neues Spiel, jedes Spiel ist anders“, ergänzt Kern. „Wichtig ist, dass wir hochkonzentriert in das Spiel gehen und eine möglichst konstante und fehlerfreie Leistung abrufen“, betont Kuschel.

Inzwischen sind sie derart routiniert, dass sie gelernt haben, in jeder Situation die Oberhand zu behalten. Nervös? „Nein, im Gegenteil. Wir können auf eine lange Erfahrung zurückblicken, das gibt uns Sicherheit“, meint Kuschel. Und sie sind noch lange nicht am Ende ihrer Schiedsrichter-Laufbahn. Kuschel, der 32 Jahre alte Pädagoge am Europa-Gymnasium in Wörth, sagt aber auch; „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 50 noch pfeifen werde.“ Kern, ein Jahr älter, ist inzwischen Vater von zwei Kindern. Er arbeitet als Elektroingenieur bei Siemens in Rastatt. Die Schiedsrichterei ist für ihn der Ausgleich zur Familie und Beruf. Dennoch haben die beiden jungen Männern noch einen Traum: Der Aufstieg in die Bundesliga der Männer, die beste Liga der Welt, ist der ganz große Wunsch von Thorsten Kuschel und Thomas Kern.

 

 

 


 

Die Rheinpfalz "Ausgabe 23.01.2017"

Prägender Sportsgeist

Sportbund Pfalz zeichnet verdiente Ehrenamtler bei einer feierlichen Ehrungsmatinee in Ludwigshafen aus

Von Klaus D. Kullmann

 
Man mag es nennen wie man will, ob Ehrungsmatinee, Neujahrsempfang oder Gratulationsmarathon, der Sportbund Pfalz hat längst erkannt, was ihm seine Ehrenamtler wert sind: einen netten Vormittag in trauter Runde und angenehmem Ambiente, bei Fingerfood und Gulaschsuppe, einem Gläschen Wein dazu und natürlich mit ein paar lobenden Worten.„Das Ehrenamt prägt.“ Dieter Noppenberger, der Präsident des Sportbundes Pfalz, warf den Satz in die Runde im Turmrestaurant. Draußen im Ludwigshafener Ebertpark blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und eisig kalt. Drinnen Harfenmusik von Esther Maimone und eine Aikido-Demonstration des Aikido-Clubs Frankenthal, eines von fünfen in Rheinland-Pfalz, und eine warme Atmosphäre.

Ein illustrer Kreis. Wenn man so will, und das ist alles andere als abschätzig gemeint, ein Ü60-Kreis. Verdiente Menschen also. Ja, das Ehrenamt prägt. Die Ehrenamtler prägen die Gesellschaft, die Ehrenamtsarbeit prägt aber auch den Ehrenamtler selbst. Kann ja sein, dass manche dieses Wortes überdrüssig sind, aber das sind dann die Ewiggestrigen. Denn klar ist: Ohne Ehrenamt liefe einiges viel schlechter in unserem Alltag. Auch im Sportalltag.

Mit Herz, Kopf und Hand seien diese Menschen dabei, sagte Noppenberger. Sie gehörten zur Gruppe derer, die den Sport in der Pfalz weiterbrächten. Ein Vergleich nur: 1970 gab es in der Pfalz 1000 Sportvereine, heute sind es 2118. Alles klar?

Zum dritten Mal rief der rührige Sportbund Verbands-, Sportkreis- und Vereinsmitarbeiter zusammen. Solche, die schon 2016 geehrt wurden, und nun einfach zum gemeinsamen „Danke hören“ eingeladen wurden, wie etwa den Landauer Günter Scharhag vom SSC Landau, der im Dezember das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Für ein Leben für den Sport seit 1949 .

Und solche, die am Samstag vor Ort von ihrer Ehrung erfuhren. Etwa die drei Verbandsvorsitzenden Rainer Strohbach (Volleyball), Dieter Wilking (Bogensport) und Friedhelm Jakob (Ludwigshafen). Der Bad Bergzaberner Werner Ertel gehört auch in diesen Fachverbandskreis, nur: Ertel, seit 37 Jahren Schriftführer im Volleyband-Verband, hat drei Vorsitzende überstanden. „Das muss einer sein, der sehr gut mit Menschen umgehen kann“, sagte Noppenberger über Ertel.

Die Sportgeschichte hat inzwischen einen hohen Stellenwert in der Pfalz erhalten, nicht zuletzt durch das Sportmuseum in Hauenstein. „Eine Zierde“ nannte es Willy Schächter, der Leiter des deutschen Schuhmuseums, unter dessen Dach die Sportler untergekommen sind, was Schächter „eine gelungene Symbiose, eine Sternstunde“ nannte, „auf die wir sehr stolz sind“. Von über 25.000 Besuchern im Jahr 2016 sprach Schächter.

Ebenfalls historisch unterwegs ist Reiner Flörsch aus Böhl-Iggelheim, der Archivar des Ludwigshafener Rudervereins von 1878. „Ein Engagement des Herzens“ nannte er seine über 10.000 Stunden Fleißarbeit in zehn Jahren.

Erich Fix vom TB Assenheim sagte etwas, was wohl die meisten gerade in diesem Moment so empfanden: „Ich bereue keine Stunde, keine Minute meines Einsatzes für den Sport“, und auch den Gedanken von Heinz Baumeister dürften viele kennen: „Ich bin zu dem Amt gekommen wie die Jungfrau zum Kind.“ Er ist seit 1997, dem Gründungsjahr, Vorsitzender des Behindertensportvereins Frankenthal. Der Verein hat heute 800 Mitglieder. Viel falsch gemacht haben können Baumeister und seine Vorstandsmitglieder nicht. Und all die anderen im Ebertpark Geehrten auch nicht.

Die Geehrten

Rainer Strohbach (Dannstadt), Dieter Wilking (Weyher), Friedhelm Jakob (Ludwigshafen), Werner Ertel (Bad Bergzabern), Kurt Sturm (Wörth), Reiner Flörsch (Böhl-Iggelheim), Willy Schächter (Hauenstein), Dr. Alexander Bleckmann (Winnweiler), Klemens Kluge (Landau), Gerhard Mentzel (Gommersheim), Heinz Baumeister (Frankenthal), Erich Fix (Assenheim), Manfred Fluhr (Orbis), Eberhard Linke (Gönnheim), Karl-Heinz Petry (Germersheim), Dr. Wolfgang Reibel (Ludwigshafen), Klaus Rinnert (Büchelberg), Manfred Schmidt (Wörth), Rainer Wogantzke (Kaiserslautern), Manfred Ecker (Landau), Günter Scharhag (Landau), Heinz Borngesser (Kaiserslautern), Rita Kwiet (Homburg), Margot Hörner (Eppstein), Horst Roos (Neustadt), Reinhard Wolf (Frankenthal), Hubertus Gramowski (Kaiserslautern), Karl Bentz (Speyer), Volker Schellenberger (Rheinzabern), Norbert Stollberg (Frankenthal), Hans-Jürgen Mohr (Frankenthal), Margitta Möller (Maxdorf), Rolf Leeb (Landau), Günter Paulus (Kirchheimbolanden).

 

 


 

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